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Gewalt - Sexuelle Gewalt

Jede Situation von sexueller Gewalt ist anders und daher im Einzelnen zu betrachten. Trotzdem lassen sich einige grundsätzliche Aussagen machen:

  • Mach dir keine Selbstvorwürfe, denn du du trägst für das Fehlverhalten eines anderen keine Verantwortung. Du bist also nicht Schuld an der Situation!
  • Signalisiere eindeutig deine Grenzen. Mach dem Belästiger deutlich, dass du bestimmte Verhaltensweisen ablehnst, dass sein Verhalten nicht erwünscht ist. Fordere ihn auf, seine Übergriffe zu unterlassen. Nimm keine Rücksicht auf ihn, denn es ist dein Recht dich zu schützen und zu wehren.
  • Wenn du kein persönliches Gespräch mit dem Belästiger führen willst, dann kannst du ihn auch schriftlich auffordern, sein Verhalten zu ändern. Du kannst ihm sagen, dass du bei nochmaligem Vorkommen bzw. auch bei nochmaliger Drohung Schritte einleitest. Bewahre auf jeden Fall eine Kopie des Schreibens auf.
  • Schreib dir genau den Ort, das Datum und die Uhrzeit der Vorkommnisse auf. Halte fest, wer der Täter ist, was er genau gesagt bzw. getan hat und auch wie du dich verhalten hast. Solche schriftliche Aufzeichnungen können als Beweismittel dienen, sollte es zu rechtlichen Schritten kommen.
  • Such dir eine erwachsene Vertrauensperson mit der du über das Geschehene reden kannst und die dich unterstützen kann.
  • Sollte die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz passieren und der Belästiger sein Verhalten nicht ändern, dann wende dich an den/die Vorgesetzten.
Es kommt leider häufig vor, dass sexuelle Gewalt innerhalb einer Familie totgeschwiegen wird. Es ist ein Tabu-Thema, das mit viel Scham verbunden ist, und es gibt eine große Angst, dass es zu Familienkonflikten oder zu einem Skandal kommt, wenn offen darüber gesprochen wird.

Ich kann verstehen, dass du darüber verwundert bist, dass sie ihren Onkel nicht anzeigen will. Es könnte sein, dass deine Freundin ihrer Familie die damit verbundene Belastung oder einen solchen Skandal nicht antun möchte. Außerdem ist es nicht leicht, jemanden aus dem Verwandtenkreis anzuzeigen, ohne den Rückhalt der eigenen Familie zu haben.

Ein Grund für die Zurückhaltung ist oft auch die Angst vor einem möglichen gerichtlichen Prozess. So einen Prozess durchzustehen, ist nicht einfach, es werden unangenehme Fragen gestellt, der Prozess zieht sich oft über Jahre hinweg und zum Schluss ist nicht gesagt, dass der Täter so bestraft wird, wie man es sich vorgestellt hat.
Viele Mädchen entscheiden sich aber trotz allem zu einer Anzeige und sind im Nachhinein erleichtert, dass der Täter zur Verantwortung gezogen wurde.

Versuche herauszufinden, was das Ziel bzw. momentane Bedürfnis deiner Freundin ist. Vielleicht braucht sie noch mehr Informationen, um über eine Anzeige entscheiden zu können. Vielleicht braucht sie jetzt aber auch eine therapeutische Unterstützung, um mit dieser schwierigen Situation umgehen zu können.

Gerne kannst du deiner Freundin auch unsere Adresse geben.