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Aggressivität, Gewalt und Krieg

Jeden Tag lesen und hören wir Schlagzeilen über unterschiedlichste kriminelle Taten in der Welt. Es wird über grausame Morde, über Kriege und dem damit verbundenen menschlichen Leid berichtet.

Es drängt sich die Frage auf, ob Journalisten solche Nachrichten nur bringen, weil sie sich besser verkaufen oder ob der Mensch an sich grausam ist.

Der Verhaltensforscher Eibl-Eibesfeldt hat untersucht, inwieweit das menschliche Verhalten gesellschaftlich bedingt und inwieweit es angeboren ist. Er unterscheidet zwischen einer allgemeinen menschlichen Aggressivität und dem Krieg. Die Aggressivität ist ein biologisches Phänomen und tritt beim Einzelnen und in der Gruppe auf. Der Krieg hingegen ist das Produkt der kulturellen Entwicklung.

Frieden ist keine Utopie

Eibesfeldt vertritt die These, dass die Aggressivität Teil des Menschen ist. Es gäbe aber einen Mechanismus von biologischen Normen, der die menschliche Zerstörungskraft einbremst.
Allerdings wird dieser Mechanismus, der vor sinnloser Zerstörung schützen soll, von einem kulturbedingten Mechanismus überlagert, der zum Töten zwingt. Das ist eine erschreckende These - die gleichzeitig aber auch ein bisschen hoffen lässt, dass eine Welt ohne oder zumindest mit weniger Konflikten möglich ist.

Eibesfeldt unterstreicht, dass der Krieg als historisches Phänomen zu überwinden und der Frieden keine Utopie ist, vorausgesetzt man erkennt den Zweck und die Struktur des Krieges.

Drei Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung von Konflikten zwischen Menschen: das Aufrechterhalten der Distanz zwischen den unterschiedlichen Kulturen, das Auffinden der zum Überleben notwendigen Ressourcen und die Festigung der territorialen Identität. Kriegstechnologien und militärische Hierarchien dienen dazu, diese Faktoren aufrecht zu erhalten. In einfachen Worten ausgedrückt heißt das: Menschen sind bereit, für Öl, Nahrung und andere Rohstoffe, die für das Überleben und die Weiterentwicklung notwendig sind, in den Krieg zu ziehen.

Grenzen und Distanz

Was das Aufrechterhalten der Distanz zwischen unterschiedlichen Kulturen und die Festigung der territorialen Identität angeht, zeigt sich, dass die Gefahr von Konflikten immer da ansteigt, wo Grenzen gezogen werden und Gesellschaften sich einschließen bzw. abkapseln. Die jüngste Geschichte und die täglichen Nachrichten führen das deutlich vor Augen: die beiden Weltkriege, die alte Grenzen zerstört und neue geschaffen haben; der Kalte Krieg zwischen der kapitalistischen Welt auf der einen und der kommunistischen auf der anderen Seite; die Berliner Mauer; der Konflikt zwischen Israel und Palästina...

Eibl-Eibesfeldt unterstreicht: die Aggressivität ist ein angeborener Impuls, der unentbehrlich fürs Überleben ist. Sei es, um uns verteidigen zu können oder um Grenzerfahrungen machen zu können, durch die wir wachsen und uns weiterentwickeln.
Der Krieg hingegen ist weder angeboren noch unentbehrlich. Er ist das Ergebnis von Mechanismen die so banal wie gefährlich sind. Sollte Gewalt wirklich das Schicksal unserer Spezies sein, dann hängt es von unserem Mut ab, eine neue Kultur zu schaffen.