X Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zu Cookies.

Abtreibung – ein umstrittenes Thema

Zum Thema Abtreibung gibt es die unterschiedlichsten Standpunkte. In diesem Artikel geht es nicht darum, sich für oder gegen die Abtreibung auszusprechen.

Hier sollen vielmehr einige Schritte aufgezeigt werden, die dazu geführt haben, dass im Jahre 1978 das Gesetz 194 zur Regelung des Schwangerschaftsabbruchs eingeführt wurde.

Die Abtreibung ist keine Erscheinung der Neuzeit. Schon in der Antike wurden Abtreibungen durchgeführt. Wie eine „offene Wunde“ zieht sich das Thema seither durch die Geschichte der Menschen. Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen wollten, standen (und stehen) stets vor einer sehr schwierigen Entscheidung.

Frauen fordern gesetzliche Regelung

Obwohl es die Abtreibung also schon seit der Antike gibt, tauchte erst in diesem Jahrhundert die Forderung nach einer gesetzlichen Regelung auf. Frauen sollten das Recht haben, selbst darüber zu entscheiden, ob sie eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen wollen oder nicht.
In Italien war die Abtreibung bis zum Jahre 1975 illegal. Das bedeutet nicht, dass es bis dahin keine Abtreibungen gegeben hat. Frauen in Italien mussten sich bei einer ungewollten Schwangerschaft an die „berühmt berüchtigten“ Ärzte bzw. Hebammen wenden, die mit völlig ungeeigneten Methoden, aber gegen sehr viel Geld das Problem „lösten“ – manchmal auf Kosten des Lebens der betroffenen Frauen.

Im Jahre 1975 beschloss der oberste Gerichtshof in einem Urteil, dass zwischen einem Embryo und einem menschlichen Wesen unterschieden werden muss und, dass die Gesundheit der Mutter vor dem Leben des Ungeborenen steht.

Durch das Gesetz 194 gelang es, die geheimen Abtreibungen zum Großteil abzuschaffen.
Trotzdem kann in Italien eine Abtreibung oft ein schwieriges Unterfangen sein. Das hängt damit zusammen, dass es eine Reihe von Ärzten gibt, die aus Gewissensgründen keine Abtreibungen durchführen. Daten aus dem Jahre 1998 zeigen, dass in Italien 64 % der Gynäkologen und 55 % der Assistenzärzte keine Abtreibungen durchführen. Mit Ausnahme vom Aostatal sind in allen Regionen Italiens der Großteil der Ärzte gegen die Abtreibung. An erster Stelle steht die Provinz Bozen, wo 90% der Ärzte Abtreibungsgegner sind.

Schwangerschaftsabbrüche gehen zurück

Aus den neuesten Daten geht hervor, dass in Italien pro Jahr 11,4 von 1000 Frauen zwischen 15 und 44 Jahren abtreiben. Obwohl die Schwangerschaftsabbrüche insgesamt weniger werden (seit 1975 ist die Zahl um 35 % gesunken), steigt die Zahl der Abtreibungen bei sehr jungen Mädchen. Das wird u.a. auf die mangelnde Information über Verhütungsmittel in Italien zurückgeführt.

Dass so wenig über Verhütungsmethoden informiert wird, hat vermutlich auch religiöse Gründe. Man bedenke, dass in Italien 98% der Bevölkerung dem katholischen Glauben angehören und die katholische Kirche zum Thema Verhütung eine sehr strikte Haltung einnimmt. Tatsache ist, dass es in Italien bis 1971 bei Strafe verboten war, Werbung für jegliche Verhütungsmittel zu machen. Wer sich nicht an das Gesetz 553 hielt, musste mit einem Jahr Gefängnis rechnen. Es dauerte weitere fünf Jahre (also bis 1976), bis das Gesundheitsministerium den Verkauf von Verhütungsmitteln in Apotheken erlaubte.

Wie auch immer sich die Gesetze zur Abtreibung in Zukunft entwickeln werden – es wird weiterhin ein viel diskutiertes Thema bleiben, zu dem jede und jeder eine eigene Sichtweise hat.