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„Ich lasse mich immer so leicht ausnutzen“

Wenn uns jemand um Hilfe bittet, sagen wir meist ohne lange zu überlegen zu. Dann freut sich der andere, dass ihm geholfen wurde, und wir, dass wir helfen konnten. Wenn wir aber ständig helfen, ohne etwas zurück zu bekommen, fühlt sich das nicht gut an.

Jede Beziehung beruht auf Geben und Nehmen. Wenn aber jemand ständig nur noch gibt, wird er oder sie ausgenutzt bzw. er oder sie lässt sich ausnutzen, denn zu diesem Phänomen gehören immer zwei. Wer sich ausgenutzt fühlt, denkt selten über die eigenen Ressourcen nach – seine Zeit, seine Kraft, seine Finanzen.

Vor allem gutmütige Menschen laufen Gefahr zu schnell ausgenutzt zu werden. Sie achten oft zu
wenig auf sich selbst und schauen eher darauf, wie es anderen geht.

Gut überlegen

Menschen sollten, bevor sie auf eine Bitte antworten, überlegen: Ist das gerechtfertigt? Kann und schaffe ich das? Will ich das wirklich? Tut es mir gut? Zunächst ist es wichtig, diese Fragen mit sich selbst zu klären – und dann aber auch mit dem oder der anderen. Uns muss klar sein: Wer Ja sagt und Nein meint, bringt sich selber in eine emotionale Falle und fühlt sich unehrlich. Außerdem macht man es allen nur noch halbwegs recht. Und nicht zuletzt wird unsere Würde verletzt, wenn wir uns ausgenutzt werden bzw. wir uns ausnutzen lassen.

Wenn wir eine Bitte ablehnen, ist die Form wichtig, in der wir sie abweisen. Die Argumente müssen zu der Sache und dem Gegenüber passen. Überlegungen, warum man etwas ablehnt, sollten offen angesprochen werden. Am besten sollte man das Thema auf der Beziehungsebene einleiten und beenden, also von sich reden, auch Familiäres einbinden oder Gemeinsamkeiten erwähnen. Wenn eine Kontroverse entsteht, sollte man trotzdem keine Zugeständnisse in der Sache machen, sondern dem oder der anderen signalisieren: Wir können weiter miteinander umgehen.

Solidarität ist wichtig

Es gibt auch noch andere Auswege: wer zum Beispiel bei einem Umzug nicht schleppen will, kann anbieten die Regale mit einzuräumen. So liegt der Fokus nicht auf dem Nein, sondern auf dem Angebot, das zur Lösung des Problems beitragen kann. Am einfachsten ist so eine Antwort via E-Mail, schwieriger ist es am Telefon und am schwierigsten von Angesicht zu Angesicht. Das erfordert innere Stärke und Selbstbewusstsein. Hier kann helfen, vorher und für sich allein laut und deutlich „Nein“ zu sagen.

Das alles soll jedoch nicht bedeuten, dass wir in Notsituationen nicht mehr helfen. Solidarität und Mitmenschlichkeit benötigen wir dringend in unserer Gesellschaft von Egomanie und Ich-AGs. Dennoch brauchen wir kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir eine Bitte ausschlagen und auch mal Nein sagen.