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Um einen lieben Menschen trauern

Mit dem Tod werden wir laufend konfrontiert: in den Nachrichten, wenn wir an einem Friedhof vorbei gehen, in Todesanzeigen - und manchmal ganz unmittelbar durch den Verlust eines uns nahestehenden Menschen.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, dann reagieren wir darauf mit tiefen Emotionen, mit Ohnmacht, Hilflosigkeit, Trauer. Gesellschaftliche Rituale helfen uns zunächst, den Verstorbenen zu verabschieden. Dabei hat jede Kultur ihre eigenen Trauerformen. Im westlichen Kulturkreis zum Beispiel trägt man dunkle Kleidung, die Gesichter sind ernst, die Stimmung gedämpft, man verhält sich zurückgezogen. Das „öffentliche“ Abschiednehmen vom Toten endet bei uns mit der Beerdigung. Für die Angehörigen aber ist der Schmerz noch lange nicht vorbei, sie bleiben mit ihrer Trauer zurück.

Trauern ist Schwerstarbeit

Trauern braucht viel Energie und Kraft, Trauern ist Schwerstarbeit für Körper und Seele, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche. Es ist wichtig, dass jeder von uns auf seine Art und Weise trauern kann. Die einzig richtige Form der Trauer existiert nicht. Es gibt so viele Möglichkeiten, den Verlust einer nahe stehenden Person zu verarbeiten, wie es Menschen gibt. Manche verfallen in eine Art Erstarrung und Gleichgültigkeit, andere können nur noch weinen, manche lachen vor Schmerz (so wie man vor Freude weinen kann), manche werden wütend, andere zeigen überhaupt keine Gefühle. Diese verschiedenen Ausdrucksweisen der Trauer können sich vermischen, sich abwechseln oder aufeinander folgen. Manchmal muten Reaktionen eigenartig an oder sie sind nicht leicht verständlich, trotzdem sollten wir sie respektieren, denn Trauern ist ein individueller Prozess. Und es ist ein notwendiger Prozess.
Ähnlich wie es nach einer schweren körperlichen Verletzung Zeit für die Heilung braucht, benötigt auch der Trauernde Zeit, um wieder in einen Zustand des Gleichgewichts und Wohlbefindens zurück zu kehren. Damit das möglich ist, schreibt der amerikanische Psychotherapeut William Worden, müssen nach einem Verlust vier Traueraufgaben bewältigt werden. Nur so können sich Hinterbliebene weiter entfalten und weiterentwickeln.

Vier Traueraufgaben

Als Erstes gilt es, den Verlust als Realität zu akzeptieren. Wenn ein wichtiger Mensch stirbt, hat man zunächst das Gefühl, es ist nicht wahr, es ist nicht geschehen. Schrittweise muss man die Überzeugung gewinnen, dass der geliebte Mensch tot ist und nicht zurückkehren wird.

Die zweite Aufgabe besteht darin, den Trauerschmerz zu erfahren. Die vorhandenen körperlichen und emotionalen Schmerzen nach einem Verlust müssen anerkannt und durchlebt werden. Sie zu vermeiden oder zu leugnen, verlängert den Trauervorgang oder kann dazu führen, dass wir den Schmerz ein Leben lang mit uns herumtragen.

Als Drittes müssen Hinterbliebene sich an eine Umwelt anpassen, in der der Verstorbene fehlt. Erst langsam merken sie, was es bedeutet, ohne diesen Menschen zu leben und was sie im Einzelnen alles verloren haben. Sie sind gefordert, sich bisher nicht benötigte Fertigkeiten anzueignen, neue Rollen zu übernehmen und Lebensziele neu zu definieren.

Die vierte und letzte Aufgabe im Trauerprozess besteht darin, die emotionale Bindung an den verstorbenen Menschen zu lösen und neue Bindungen einzugehen. Für viele ist diese Aufgabe die schwierigste. Sie denken, sie verraten dadurch die Erinnerung an den Verstorbenen. Manche geloben sich selbst, nie mehr zu lieben. Viele aber erkennen, dass es andere Menschen gibt, die man lieben kann und dass das nicht bedeutet, den Verstorbenen weniger zu lieben.

Der Trauerschmerz lässt nach

Jugendliche fragen oft, wie lange die Trauer wohl anhalten würde und woran sie erkennen könnten, dass sie den Verlust eines Freundes oder eines anderen geliebten Menschen überwunden haben. Auf diese Fragen gibt es keine definitive Antwort. Man kann davon ausgehen, dass der Trauerprozess gut verläuft, wenn man an den Verstorbenen denken oder über ihn sprechen kann, ohne dabei einen so großen Schmerz wie anfangs zu spüren. Manche würden dazu vielleicht sagen: wenn wir dem Verstorbenen einen Platz in unserem Herzen, in unserer Erinnerung gegeben haben.
Dieser Prozess dauert bei jedem unterschiedlich lange, das kann ein Jahr sein, zwei Jahre, manchmal länger. In einem gewissen Sinn dauert Trauer ein Leben lang, denn Traurigkeit wird immer aufkommen, sobald man an diesen Menschen denkt, den man sehr geliebt hat. Aber diese Traurigkeit ist eben anders als früher, sie schmerzt nicht mehr so.