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Facebook-Sucht. Ein Selbstexperiment.

Mein Selbstexperiment, mich ein halbes Jahr aus der Facebook-Community zu verabschieden, drohte schon fast daran zu scheitern, ein kleines „Bestätigen“ zu drücken.

Facebook versuchte mich nämlich auf der emotionalen Schiene davon abzuhalten, meine Freunde einfach so zurückzulassen und in ein Facebook-freies Leben zu starten.

„Maria wird dich vermissen“, stand dort fast schon vorwurfsvoll. Zu meinem Glück hatte Facebook eine vollkommen zufällig erstellte Liste meiner Freunde angezeigt, welche mich bei meinem Verlassen vermeintlich vermissen würden. Wer war denn gleich noch einmal diese Maria? Egal, dachte ich mir, wahre Freundschaft braucht kein Facebook. Denkste. Zwei Minuten nachdem ich mich dazu überwunden hatte, mich für einige Zeit zu beurlauben, bekam ich schon eine SMS: „Hast du mir die Freundschaft gekündigt?“ Die weiteren Reaktionen auf meinen Ausstieg reichten von beleidigt sein über verachtende Kommentare bei Zusammentreffen: „Da kannst du nicht mitreden, war gestern bei XY gepostet.“ Ich fühlte mich wie eine Zeitreisende aus den 80ern.
Auf Geburtstagsfeiern oder sonstigem wurde ich natürlich als „Extrawurst“ nicht mehr eingeladen, denn wenn ich kein Facebook habe, dann sei ich selbst schuld. Eine SMS koste schließlich Geld und wer aus der Reihe tanze, solle auch die Konsequenzen tragen.

Ich hatte nun durch die neu gewonnene Freiheit sehr viel Zeit – aber keine Freunde mehr. Meine „Kaffee?“-SMS wurden elegant ignoriert.

Ich war eine Einsiedlerin – alleine mit meinen Entzugserscheinungen.

Morgens der Kaffee am Frühstückstisch ohne das Checken der neusten Meldungen, welche meine Facebook-Freunde zwischen 1 Uhr nachts und 7 Uhr morgens gepostet hatten. Ohne das so vertraute Surren im Minutentakt meines Handys, wenn einer meiner Freunde eine Nachricht geschickt hatte. In den Mittagspausen saß ich prinzipiell immer im falschen Lokal –allein, da die anderen in letzter Minute sich noch auf Facebook besprochen hatten, wo man denn am besten Wireless-Empfang beim Mittagessen hätte.

Falls ich es doch einmal an den richtigen Ort schaffte, musste ich die harte Realität ertragen: alle auf das Handy starrend, kichernd –„hast du den schon gesehen?“ „Wen? Wie? Wo? Was?“ Irgendwann gab ich auf zu fragen und genoss die Umgebung. Wenn mich wer ansprach und sich von mir verarscht vorkam oder mir unterstellte kein Interesse zu haben, weil ich vermeintlich meinen Facebook-Namen nicht herausrücken wolle und deswegen wohl meine Existenz in diesem Portal verleugne, lächelte ich nur. Minimalaufwand Facebook. Singlebörse. Dorfplatz.

Nach 4 Monaten und 5 Tagen musste ich mein Experiment frühzeitig abbrechen

Ich brauchte dringend Unterlagen für eine Prüfung und wer nicht bei Facebook ist, bekommt diese nur erschwert. Seitdem lebe ich wieder „stigmafrei“. Aufgenommen wurde ich übrigens nach meinem Wiedereinstieg sofort sehr herzlich von allen.

Habt ihr auch schon einmal einen „Facebook-Entzug“ durchgemacht? Eure Erfahrungen würden mich interessieren! Sigrid