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Ganz schön langweilig

Es gibt Tage, da reichen 24 Stunden nicht aus, um all das zu tun, was man gerne tun möchte. Dann wieder gibt es Tage, da weiß man mit sich und der Welt nichts anzufangen, die Zeit erscheint einem sooooo unendlich lange und man wird ganz unruhig dabei.

Tja, die Langeweile kann einem das Leben manchmal ganz schön schwer machen. Dabei ist sie etwas sehr Wichtiges.

 

Wenn Kinder und Jugendliche mit sich nichts anzufangen wissen, dann liegt ein Grund darin, dass sie sich bisher noch nicht genug gelangweilt haben“, sagt Linda Caldwell von der Universität Maryland. Das klingt irgendwie paradox. Aber die Erklärung leuchtet ein: Der Alltag bzw. die Freizeit vieler Kinder ist inzwischen dermaßen verplant und durchstrukturiert, dass es keine Leerläufe mehr gibt. Außerdem gibt es Eltern, die ihre Kinder von klein auf beim geringsten Anzeichen von Langeweile sofort unterhalten. Den Heranwachsenden wird so jede Möglichkeit genommen, zu lernen, eigenständig mit der freien Zeit umzugehen, eigene Interessen wahrzunehmen und diesen nachzugehen.

 

So kommt es, dass für viele Jugendliche die Langeweile oft zu einem kaum oder nicht lange zu ertragenden Gefühl wird.

 

Angst vor der Langeweile

Aber nicht nur Jugendliche empfinden die Langeweile als etwas Unangenehmes. In unserer gesamten Kultur ist die Furcht vor der Langeweile groß. Das hat u.a. mit bestimmten überlieferten Vorstellungen vom Umgang mit der Zeit zu tun: Zeit muss in unserer Kultur und Leistungsgesellschaft genutzt und darf nicht vergeudet werden. Es gilt, fortwährend produktiv zu sein und etwas zu tun, nur so ist man wertvoll und wird anerkannt. Anders ausgedrückt: wer nichts leistet, der ist nichts wert. Das ist beinhart, denn wer will sich schon wertlos fühlen? Eigentlich niemand. Es ist also verständlich, dass Menschen alles tun, um sich vor Leerläufen zu schützen und dem Gefühl der Langeweile zu entkommen. Auch die letzten ungenutzten Minuten werden so mit allerlei Tätigkeiten, mit neuer Unterhaltungstechnik und mit Zerstreuung gefüllt.

 

Der Langeweile einen Platz einzuräumen, fällt den Menschen in unserer Kultur also sichtlich schwer. Das ist schade, denn sich zu langweilen, kann sich positiv auswirken. Der Zustand der Langeweile bringt Menschen dazu, über das eigene Leben nachzudenken, neue Ideen zu entwickeln, die wiederum zu neuen Erfahrungen führen können. Der Leerlauf im Kopf macht Menschen also kreativ, und die Kreativität führt nicht selten dazu, dass Menschen wieder zufrieden sind.

Auf die Dosis kommt es an

Aber wie bei allem im Leben, kommt es auch bei der Langeweile auf ein ausgewogenes Maß an. So, wie sich zu wenig Langeweile negativ auswirken kann, so tut auch zu viel davon nicht immer gut. Wer sehr häufig und massive Langeweile verspürt, der sollte das als Warnhinweis betrachten und sich fragen, was in seinem Leben vielleicht nicht ganz stimmt und geändert werden sollte. Denn sonst könnte es zu weiteren unerfreulichen Begleiterscheinungen kommen, z.B. sind Menschen, die sich stark langweilen, häufiger depressiv.

 

Also: man sollte sich vor der Langweile nicht fürchten, aber stets gut auf die eigenen Gefühle achten.